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Freitag, 13. Juli 2012

Die letzte Fahrt...

Kirche Camaldoli
Die letzten zwei Tage, also Mittwoch und Donnerstag, bin ich ein letztes Mal mit dem Abtprimas zu einer kurzen Tour in Italien aufgebrochen.

Dieses Mal ging es Richtung Norden, in die Provinzen Toscana und Emilia-Romagna.
Genauer gesagt fuhren wir Mittwoch morgen nach Camaldoli, wo die Millenniumsfeier des gleichnamigen Klosters stattfand.

Der Eremo
Primas mit dem Prior des Eremo












Zu dem Kloster der Kamaldulenser, welches in 800 Metern Höhe, im größten zusammenhängenden italienischen Waldgebiet liegt, gehört auch der so genannte Eremo, der eigentliche Gründungsort. Dieser eremitische Klosterkomplex, der aus einzelnen Hütten besteht, liegt nocheinmal 300 Meter höher, inmitten der Natur und bedeutete für uns - nach der römischen Hitze - Durchatmen...

Das Kloster in Camaldoli


Nach den Feierlichkeiten und einer Übernachtung in Camaldoli, sind wir dann am Donnerstag nachmittags Richtung Cesena aufgebrochen.

Innenstadt von Cesena

Den Nachmittag, an dem der Primas bei einer Veranstaltung, im oberhalb der Stadt liegenden Kloster, eingeplant war, habe ich dazu genutzt, mir das beschauliche Örtchen unweit der Adriaküste anzuschauen.


Blick vom Kloster auf Cesena
Noch nach dem Abendessen haben wir uns auf den Rückweg in die Hauptstadt gemacht, wo wir gegen Mitternacht angekommen sind.



Nach diesen insgesamt knapp 700 Kilometern in den letzten zwei Tagen, ist auch mein Dienst als Fahrer des Abtprimas, so gut wie beendet.

Sonntag, 1. Juli 2012

Peter und Paul - Hochfest der Stadtpatrone

Die zu diesem Anlass eingekleidete Petrusfigur
Am vergangenen Freitag war das Hochfest der Heiligen Peter und Paul. Da diese die Stadtheiligen Roms sind, ist dieses Fest in Rom sogar ein Feiertag und wird entsprechend groß gefeiert.








Ich habe zu diesem Anlass an der Papstmesse teilgenommen.
Dabei hatte ich das Glück, einen sehr besonderen Platz zu haben: nämlich direkt hinter dem Altar - zwischen Lektoren und Ministranten!









Der Nachteil dabei war nur, dass wir wegen der Höhe des Hauptaltares nicht viel von dem Geschehen davor mitbekommen haben. Dafür konnten wir alles, was sich hinter diesem abgespielt hat - besonders die Eucharistiefeier (die sonst von der anderen Seite kaum sichtbar ist) - gut aus der Nähe verfolgen.

Die Erzbischöfe mit Pallium (ganz rechts: Woelki)


Außerdem wurde zu Beginn dieser Feier 30 Erzbischöfen, darunter auch der Berliner Erzbischof Kardinal Woelki, das Pallium verliehen.

Capella Sistina und Westminster Abbey Choir
Auch die musikalische Gestaltung dieses Gottesdienstes war etwas Besonderes, da die Capella Sistina vom Westminster Abbey Choir unterstützt wurde, der für einige Tage zu Gast in der ewigen Stadt war.



Orthodoxer Besuch war geladen


 

Dieses päpstliche Pontifikalamt war auf jeden Fall ein schöner und würdiger liturgischer Abschluss meines Jahres hier in Rom.


Pileolus auf dem Gabentisch

Mittwoch, 6. Juni 2012

Jubiläumskirche - die etwas andere römische Kirche

Vorderansicht der Jubiläumskirche
Im römischen Stadtviertel Tor Tre Teste, welches abseits jeglicher Touristenrouten gute 8 Kilometer östlich des Zentrums liegt, findet sich eine Kirche der besonderen Art.
Die Kirche Dives in Misericordia, häufig auch als Jubiläumskirche bezeichnet, wurde als eine von 50 Kirchen zum Jahrtausendwechsel gebaut und im Jahr 2003 von Papst Johannes Paul II. geweiht.
"Eine Kirche auf dem Weg ins dritte Jahrtausend", so ist die Überschrift des kleinen Kirchenführers, der am Eingang der Kirche in vier verschiedenen Sprachen ausliegt.

-Im Folgenden werde ich immer wieder aus diesem Führer zitieren-

Ende März habe mich auf den Weg gemacht um der Kirche, von der ich schon in Deutschland gehört hatte, einen Besuch abzustatten.

Nach mehrfachem Umsteigen, fährt man das letzte Stück mit dem Bus durch die kleinen, beinahe dorfähnlich liegenden Vororte Roms. Nach dem Aussteigen aus dem Bus geht man noch ein paar Meter zwischen den Plattenbauten hindurch und dann öffnet sich der Blick auf die Jubiläumskirche am Rande des Orts.

Fächerung der drei Segel
Zuerst sticht die Fächerstruktur des Daches ins Auge. Nach der Idee des Architekten - dem Amerikaner Richard Meier - soll die Kirche "das 'Boot der Kirche' darstellen, das Furchen in den Meeren des dritten Jahrtausends zieht."
So stellt das gefächerte Dach die drei Segel dar, "die das Kirchenschiff und die Kapelle überragen." Sie "symbolisieren die Dreifaltigkeit und das große Segel soll die Projektion Gottes über die christliche Gemeinschaft darstellen."

Blick durch den Kirchenraum auf den Altar
Besonders ansprechend ist die Kombination aus den massiven, sehr schlichten weißen Wänden, den sehr großen Glasflächen und der Holzverkleidung auf der rechen Seite.
Die Fenster bedecken die gesamte Front- und Rückseite sowie das Dach der Kirche. Trotz dieser großen Fläche, "scheint die Sonne nie direkt in die Kirche, abgesehen von einem bestimmten Augenblick am Nachmittag, vor allem im Sommer, wenn durch das kleine Fenster oberhalb des Presbyteriums das Licht von draußen das Kruzifix im Innern anstrahlt."

Eingang und Orgel
Altarraum
"Der Altar nimmt in seiner Form das Bild des Bootes wieder auf und steht Richtung Westen - im Gegensatz zu der sonst üblichen Position des Presbyteriums in klassischen Kirchen. In dieser Kirche ist Richtung Osten der 'Bug' des Bootes, während sich der Altar im 'Heck' befindet, wo sonst der Motor des Schiffes ist. Die Eucharistie ist der Motor, der das Boot der Kirche bewegt."
Die gläserne Dachkonstruktion

Die Kirche ist in jedem Fall modern, jedoch "folgt sie auch in gewissem Sinne dem klassischen Bild einer religiösen Konstruktion, insbesondere einer 'gotischen' - wegen ihrer Höhe und der hochgezogenen Fassade mit dem seitlichen Glockenturm."


"Oberhalb des Presbyteriums kann man das Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert bewundern. Es (der Korpus) besteht aus Papiermaché mit dem Kreuz aus Holz und wurde dieser Kirche von einer anderen Gemeinde Roms geschenkt."
Blick auf die "Segel"-Anbauten
Der Tabernakel befindet sich in der Seitenkapelle, unterhalb des Segeldaches.
Er ist in einer "scheinbar nicht zentralen Position, weil er sich in der rechten Ecke der Kapelle befindet.
Tabernakel
Nicht etwa, weil dieser nicht für wichtig gehalten wurde, sondern genau im Gegenteil, weil er so auch vom Hauptschiff aus gesehen werden kann."


Was mich an dieser Kirche besonders fasziniert hat, ist, dass sie trotz Moderne und augenscheinlich untypischem Aufbau nicht den Charakter einer Kirche verliert. Man hat nie das Gefühl in einem Kunstwerk zu stehen - der sakrale Raum ist immer gegenwärtig.




So begeistert diese so abseits gelegene und kaum bekannte Kirche auf vielen verschiedenen Ebenen und ist als etwas andere römische Kirche in jedem Fall einen Besuch wert!
Rückansicht der Kirche
Aus meinen Bildern und Videos habe ich noch Folgendes zusammengestellt:

Samstag, 28. April 2012

Lobgesang und Sommeranfang

Aula Papst Paul IV.
Am Freitag der letzten Woche durfte ich ein weiteres Konzert im Vatikan erleben - dieses Mal anlässlich des 85. Geburtstags des Papstes. Schon im letzten Herbst war ich bei einem Konzert dort (damals war es Bruckners 9. Sinfonie).
Dieses Mal hatte ich die Möglichkeit Mendelssohns op.52 "Lobgesang" vom Gewandhausorchester Leipzig, dem GewandhausChor und dem MDR Rundfunkchor in der Audienzhalle zu hören.


Nach dem unglaublich wechselhaften Wetter in den letzten Wochen scheint sich so langsam endlich der Frühsommer einzustellen.

... und jetzt
Blick vorher...
Da vor wenigen Tagen die Bauarbeiten am Dach über meinem Flur begonnen haben, hat sich leider die Aussicht aus meinem Fenster etwas verschlechtert...
Der Vorteil ist jedoch, dass ich keine direkte Sonneneinstrahlung mehr habe - und einen eigenen Balkon!

Pool mit Petersdom
 
Am Freitag war es endlich soweit.
Nicht mehr "nur" sonnen.

Wir haben die Poolsaison eröffnet!

Ein wunderbares Gefühl, Ende April am/im Pool liegen zu können...
 

Dienstag, 17. April 2012

Mein kleiner "Giro d'Italia"

Nach den Ostertagen ging es für mich direkt ereignisreich weiter und zwar mit einem kleinen "Giro d'Italia" - was nicht bedeuten soll, dass ich ganz Italien bereist hätte, oder dass ich irgendwie mit dem Fahrrad unterwegs gewesen wäre!
Ich habe jedoch einige Kilometer in Mittelitalien zurückgelegt und habe mir viel ansehen können.
Meine einzelnen Streckenabschnitte (im Text farblich markiert)

 

Montag - Norcia (Nursia) - Auf den Spuren des Hl. Benedikt Teil 1

 

Blick aus dem Kloster
Begonnen hat meine Woche am Montag damit, dass ich morgens mit dem Abtprimas und unserem Prior, den in Umbrien gelegenen Geburtsort des Hl. Benedikt, Norcia besucht habe.
Dort haben wir das erst seit dem Jahr 2000 wieder bewohnte Kloster besucht, in dem nun eine junge Gemeinschaft lebt, die keiner der Benediktinerkongregationen angehört.
Krypta am Geburtsort Benedikts
Diese zeichnet sich durch ihre genaue Befolgung der Benediktsregel und ihren daher sehr strengen Lebensstil aus - was sie offensichtlich mit ihren kurz geschorenen Haaren und dem wilden Vollbart zeigen.
Nachdem uns das Haus gezeigt wurde, einer kurzen Ortserkundung und ich an meiner ersten Messe im außerordentlichen (alten) Ritus teilgenommen habe - ja diese Benediktiner feiern teilweise tridentinisch - aßen wir dort noch zu Mittag und fuhren dann am Nachmittag zurück nach Rom.
Der zentrale Platz in Nursia (rechts die Abteikirche)
Es war schön, den Geburtsort des Hl. Benedikt besuchen zu können, da ich ja schließlich für ein Jahr in einem "seiner" Klöster lebe. Außerdem war es unglaublich interessant, eine so andere benediktinische Gemeinschaft zu erleben, deren Stil mir jedoch zugegeben eher suspekt ist.


Dienstag - nach Montevergine - Äbte Italiens

 

Das Innere des "Santuario"
Dienstagmittag ging es dann schon wieder los, diesmal jedoch für vier Tage.
Mit dem Abtprimas und dem Rektor unserer Hochschule fuhr ich nach Montevergine, einem ca. 50km östlich von Neapel gelegenen Benediktinerkloster. Dort fand ab Dienstag das Treffen aller italienischen Äbte und Prioren sowie Äbtissinnen und Priorinnen statt.
Blick vom "Santuario" ins Tal
Nachdem wir uns (mit großer Teilschuld unseres Navis und des Streckenplaner-Ausdrucks) kurz vor dem Ziel einmal mächtig verfahren haben, sind wir zuerst zum hoch auf dem Berg gelegenen Santuario ("Heiligtum") gefahren, in der Annahme, dass dort besagtes Treffen stattfindet. Da dem nicht so war, und der einzige Mönch, den wir nach längerem Suchen letztendlich doch angetroffen haben, uns den richtigen Ort nannte, ging es wieder unzählige Serpentinen hinab ins Tal - aber wir hatten immerhin noch das Santuario besucht...
Unten im Ort Mercogliano wurden wir dann in einem zum Kloster gehörenden Gebäude empfangen und bekamen später unsere Zimmer in einem Barockschloss, der Talniederlassung des Klosters, zugewiesen.
Das Barockschloss
An diesem Abend und am folgenden Morgen habe ich auch einige der Abtpräsides (siehe Litauen-Posts) wiedergetroffen. Nach einem sehr ausgiebigen Mittagessen bin ich dann am Mittwoch wieder mit dem Abtrimas aufgebrochen...



Mittwoch - nach Napoli (Neapel) - Kurzurlaub

 

Der Dom in Neapel
Leider schlechtes Wetter...
... Von Montevergine aus ging es innerhalb einer halben Stunde zum Flughafen von Neapel, von wo aus der Primas direkt nach Deutschland zum Treffen der deutschsprachigen Klosteroberen geflogen ist.
Da ich wusste, dass ich dort noch alleine sein würde, hatte ich vorher erfragt, ob es möglich wäre, noch knapp zwei Tage als privaten Osterurlaub anzuhängen.

So habe ich dann das Auto am Flughafen von Neapel stehen lassen (besser so!) und bin mit dem Shuttlebus in die Innenstadt gefahren, wo ich zuerst mein Hostel für diese Nacht aufsuchte. Dort ließ ich meinen Koffer zurück und bin recht schnell wieder aufgebrochen - schließlich wollte ich meine knappe Zeit nutzen. Leider ging das nicht ohne Schirm, da es, sobald ich das Haus verlassen hatte, anfing zu schütten.
Trotzdem konnte ich mir an diesem Abend noch einiges von der Altstadt anschauen und natürlich habe ich auch eine typische napoletanische (wirklich verdammt gute) Pizza gegessen!
Original neapolitaner Pizza!
Castelnuovo
Da ich einige Stunden unterwegs war und das Wetter zwar besser, aber immer noch nicht besonders angenehm war, beschloss ich ins Hostel zurück zu kehren, in der Hoffnung, dort irgendjemanden anzutreffen, mit dem ich mich noch unterhalten konnte. Zu meiner Überraschung traf ich sogar einen alten Bekannten aus der Schule, der momentan in Padua studiert und mit einigen Freunden eine Woche in Neapel war.
So war der Abend alles andere als langweilig - und alles andere als kurz...
Blick auf den Golf von Neapel mit der Insel Capri
Am nächsten Morgen, nachdem ich ausgecheckt und mich von den anderen verabschiedet hatte, bin ich noch einmal in die Stadt losgezogen.
Zuerst zum Castel Sant'Elmo, welches hoch über dem Zentrum liegt und von wo ich dank guten Wetters eine wunderbare Sicht auf die Stadt, den Vesuv und den Golf von Neapel hatte.

Danach habe ich meinen Koffer aus dem Hostel geholt und bin nach einem Zwischenstopp am Meer wieder zum Flughafen gefahren...
Blick vom Castel Sant'Elmo auf Neapel und den Vesuv
Die Kirche San Francesco di Paola


Donnerstag - nach Montecassino - Auf den Spuren des Hl. Benedikt Teil 2

 

Das Kloster hoch auf dem Berg
... Von dort ging es zurück in Richtung Rom, aber nur bis Montecassino, dem vom Hl. Benedikt gegründeten Kloster, wo er auch gestorben und begraben ist.
Dieses Kloster, welches im 2. Weltkrieg vollständig zerstört wurde, ist vielleicht die bekannteste und bedeutendste Benediktinerabtei weltweit.
Blick aus meinem Zimmer
Einer der riesigen Gänge (über 150m!)
Da Montecassino auf meinem Rückweg nach Rom lag - man sieht es schon von der Autobahn aus hoch auf dem Berg liegen - und zwei Mönche von dort bei uns in Sant'Anselmo studieren, wollte ich die Chance nutzen und auch dort noch eine Nacht bleiben.
Der sog. Kreuzgang des Bramante



Der Ort Cassino bei Nacht
Am Donnerstagabend habe ich mir noch den riesigen Komplex angesehen und bin nach der Vesper und dem Abendessen im Refektorium recht schnell ins Bett gegangen.
Oberer Kreuzgang mit Kirche - und Regen
Der folgende Morgen begann um 7 Uhr mit der Messe im kleinen Kreis des aus nur ca. 15 Mönchen bestehenden Konvents. Nach dem Frühstück habe ich dann meinen Rundgang fortgesetzt. Da es leider wieder mal stark geregnet hat, habe ich die Besichtigung auf das zur Abtei gehörende Museum und die Kirche beschränkt.
Die Abteikirche
Das Grab des Hl. Benedikt in der Krypta









Nach dem Mittagessen habe ich dann ein letztes Mal für diese Woche meinen Koffer gepackt...
In den Wolken...

Freitag - zurück nach Rom - nach "Hause" kommen

Blick auf den Friedhof
Mit einem kurzen Halt an dem Friedhof, der ein paar Meter unterhalb von Montecassino liegt, habe ich dann meine Rückreise angetreten. Auf dem Friedhof liegen mehr als 1000 polnische Soldaten, die in der Schlacht um Montecassino im Jahr 1944 ihr Leben ließen.






Leider wurden sowohl der Besuch dort als auch die Rückfahrt von Regen begleitet. Das Wetter hat meine Rückkehr nach Rom für mich etwas getrübt. Trotzdem war es ein Wieder-"nach-Hause"-kommen.

Nach diesen ereignisreichen Tagen bin ich froh, dass es nun erst einmal ruhiger wird.
Auch hat jetzt mein letzter großer Abschnitt hier in Rom begonnen.
Ein schwer zu beschreibendes Gefühl, sich einerseits sehr auf zu Hause und das, was danach kommt zu freuen, andererseits zu wissen, dass die verbleibende Zeit unglaublich schnell vergehen wird und ich sie noch bestmöglich nutzen will...